Projektförderung des Nicaragua-Forums

Los Pipitos Somoto: Familienarbeit bildet die Grundlage für Erfolge

Zusammen mit zwei Promotor*innen von Los Pipitos habe ich kurz vor Ende des laufenden Jahres die Gelegenheit, an zwei Tagen zwölf der 383 Familien der Elternorganisation rund um Somoto zu besuchen. Das ist in den abgelegenen Bergen an der Grenze zu Honduras nur mit erheblichem Aufwand zu schaffen, d. h. mit einem Allradfahrzeug und einem Fahrer. Dass die vermeintliche Idylle rund um die grünen Kegelberge trügt, wird schon bei den ersten Besuchen deutlich. Oft paart sich hier deutliche Armut mit den Anforderungen, einem Kind mit starken Einschränkungen gerecht zu werden.

Die Ursachen der Armut wiederholen sich bei den meisten Besuchen: Kleine Anbauflächen für Grundnahrungsmittel, alleinerziehende Mütter, geringe Tageslöhne für Landarbeiter*innen und eine Häufung von gesundheitlichen Risikofaktoren.

Frangel Benjamin mit seiner Schwester foto: hrWir besuchen Justina Méndez mit ihrem zwölfjährigen Sohn Frangel in Las Sabanas. Frangel, der die Grundschule erfolglos abbrach, macht einen unzugänglichen Eindruck. Die Mutter beklagt, dass die Lehrerin sich weigere, ihn weiter zu unterrichten, weil er keinerlei Fortschritte gemacht habe. Das Haus, das Justina, Frangel und die jüngere Tochter bewohnen, ist in einem beklagenswerten, verwahrlosten Zustand. Neben dem Erlös aus kleinen Waschaufträgen verfügt Justina nur über geringe Beträge, die ihr eine ältere Tochter zukommen lässt. Ein kleines Stück Land unten am Fluss bleibt unbebaut, der Hühnerstall ungenutzt. Die Promotorin von Los Pipitos vereinbart mit der zuständigen Vertreterin der Elten (padres lideres), einen Plan de Vida zu entwickeln. Dazu gehört die Instandsetzung des Hauses, ein Anbauplan zur Selbstversorgung sowie die Aufnahme von Frangel in die Fördergruppe (aula de reforzamieneto) von Los Pipitos in Somoto. Dort soll in einer Mischung aus dem Erwerb von schulischen Grundfertigkeiten und lebenspraktischen Aufgaben ein realistisches Bildungsangebot gemacht werden.

Einen ganz anderen Weg beschreiten die Eltern von Marlene Lopéz, die aufgrund einer orthopädischen und geistigen Einschränkung die Grundschule nach dem 3. Schuljahr abbrach. Ausgestattet mit einer Anbaufläche von drei Manzanas im Bezirk Totogalpa mit Kaffee und Grundnahrungsmitteln leidet die Familie keinen Hunger. Durch die Anleitung der Physio-Therapeutin haben sich die manuellen Fähigkeiten von Marlene stark verbessert. Die Familie spezialisierte sich als Nebenerwerb auf die Fertigung von Körben und kunsthandwerklichen Produkten, die sie auf den „ferias“ (= Märkten) in der Umgebung anbietet. Sie versucht, in diesem Bereich für Marlene eine sinnvolle Tätigkeit aufzubauen. Ein Bett, in welchem Marlene zusammen mit einer Schwester schlafen kann, erhielt sie inzwischen aus dem Bettenprogramm, das der Verein ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ in Walldorf finanziert.

Essensausgabe in der Grundschule  foto: hrAber auch im schulischen Bereich kann es Erfolge geben! Das zeigt das Beispiel von Axel Josue Bautista, der das vierte Grundschuljahr in einer dreiklassigen Primaria absolvieren kann. Es ist eines der erfolgreichen inklusiven Schulbeispiele, die eigentlich auch in Nicaragua die Regel sein sollen, es aber aufgrund vielfältiger Gründe doch (noch) nicht sind. Seine Lehrerin an der staatlichen Schule beherzigt das Motto „Keine/r darf zurückbleiben, alle müssen profitieren.“ Sie hat Axel drei Mitschülerinnen zur Seite gestellt, die ihm bei den differenzierten Aufgaben zum Tagesthema Geometrie behilflich sind. Dass Axel die Grundschule besucht, liegt auch an der Mutter. Axel, der aufgrund seiner Cerebralparese nur eingeschränkt mobil ist, wird bislang von ihr den Weg zur Schule getragen. Sie hat die Fortbildung zum Thema Grundrechte und Schulbildung besucht und setzt sich auf allen Ebenen für ihren Sohn ein. An einem Tag der Woche ist sie auch für die staatlich garantierte Schulspeisung zuständig. Bislang übernimmt die Tochter einer Nichte die Nahrungsgabe für Axel, Ziel ist aber die selbstständige Nahrungsaufnahme durch eine gezielte manuelle Therapie.

Drei Beispiele, die zeigen, wie bedeutsam die Rolle der Eltern bei der Umsetzung von Möglichkeiten und Rechten für ihre Kinder mit Beeinträchtigungen ist. Los Pipitos hat sich auf die Stärkung der Elternrolle mit seinen Angeboten ausgerichtet. Eltern von Kindern mit Behinderung haben sich professionalisiert, ergänzend Fachkräfte für Therapie, Medizin und Bildung angestellt und bilden so einen wichtigen Anlaufpunkt für weitere Eltern. In Kooperation mit dem Bildungs und Gesundheitsministerium hat sich eine Struktur gebildet, die unverzichtbar ist, aber dringend unsere Unterstützung benötigt. - hr

Wir bitten um Spenden unter dem Stichwort Los Pipitos

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