Frauenzentrum in El Viejo
Das Frauenzentrum in El Viejo bietet Frauen und Mädchen Beratungs- und Therapieangebote sowie Fortbildungskurse und Workshops zu Frauenthemen. Wir fragten die Leiterin Erika Solis
Was gibt es Neues im Frauenzentrum?
E. S.: Nach der Renovierung einiger Räume im letzten Jahr präsentiert sich das Frauenzentrum wieder schöner und attraktiver und das motiviert natürlich die Frauen, die hier arbeiten, und die, die zu uns kommen. Die Anschaffung eines Laptops und eines Beamers1) erleichtern ebenfalls unsere Arbeit, da die Rechtsanwältin und die Psychologin die Verwaltung ihrer Fälle und die zugehörigen Berichte damit erstellen können. Für die Workshops zu Frauenthemen können wir damit Materialien erstellen und Bilder oder Informationen sowie kurze Videos oder Filme zeigen.
Wie sieht eure Arbeit momentan aus?
E. S.: Wir versuchen trotz der derzeit schwierigen Lage, unsere Arbeit und unsere Angebote aufrecht zu erhalten und auszuweiten. Wir schaffen Räume zur Begegnung und zum Austausch. Dabei ist es uns wichtig, Frauen und Mädchen zu helfen, ihre Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sie über ihre Rechte aufzuklären, für die Entstehungsmuster von Gewalt in Beziehungen und Familien zu sensibilisieren. Frauen, die von Gewalt betroffen sind, finden in unserer Selbsthilfegruppe Unterstützung.
Neben den regelmäßigen Workshops haben wir am internationalen Frauentag eine Aktivität hier im Frauenzentrum durchgeführt, an der viele Frauen teilgenommen haben.
Welche Themen und Probleme beschäftigen Frauen in Nicaragua gerade besonders?
Hier ein paar Stimmen von Besucherinnen des Frauenzentrums. Sie wurden von den Mitarbeiterinnen interviewt und möchten anonym bleiben.
• A: Die wirtschaftliche Lage der Familie sehe ich als größtes Problem. Die Kinder zu versorgen wird immer schwieriger: Lebensmittel, Kleidung, Schulmaterialien, alles wird teurer. Die schwierige ökonomische Situation des Landes wirkt sich auf die Familien aus und betrifft uns als Frauen und Mütter ganz besonders.
• B: Mich persönlich betrifft gerade das Thema Migration, da meine Tochter vor kurzer Zeit emigriert ist. Das macht mir sehr große Sorgen und belastet mich sehr, weil ich nicht weiß, was passieren wird. Sie ist wegen der ökonomischen Situation weggegangen, weil sie hier keine Perspektiven gesehen hat.

• C: Die wirtschaftliche Lage und mein Verkaufsstand: Es gibt gute und schlechte Tage und an manchen Tagen verkaufst du so wenig, dass du kaum die Investitionskosten hereinbekommst. …
Die Migration stellt eine große Herausforderung für diejenigen dar, die im Land geblieben sind. Oft sind es die Großeltern, die sich um die Kinder der Migrant*innen kümmern und damit häufig überfordert sind, das bestätigen auch die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums. Hinzu kommt jetzt noch die Sorge, wie es den Angehörigen, die in den USA leben und arbeiten, in Zukunft ergehen wird.
Ein Angebot, das die ökonomische Situation verbessern soll, stellen die drei Kurse dar, die einmal wöchentlich stattfinden: Entwerfen von Kleidung und Nähen, Herstellung von Backwaren und Gerichten für den Verkauf sowie der Frisör- und „Schönheitskurs“. 41 Frauen nehmen derzeit teil.
Nach Abschluss des Kurses haben sie die Möglichkeit, einen Kleinkredit zu beantragen.
Viele der Frauen aus dem Kreditprogramm haben inzwischen ein kleines Geschäft gegründet und tragen dadurch nicht nur zum Familieneinkommen bei, sondern stärken auch ihre eigene Position in der Familie – und ihr Selbstbewusstsein, weil sie ihre Arbeit aus eigener Initiative gefunden haben. Einige haben den Kredit schon abbezahlt, 25 Kredite laufen noch.
In Verbindung mit den Fortbildungskursen finden regelmäßig Workshops zu Frauenthemen statt.
Sie beziehen die Teilnehmerinnen ein und sollen mit spielerischen Elementen, Gruppenarbeitsphasen und der gemeinsamen Erarbeitung der Themen nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern auch das Selbstvertrauen der Frauen und Mädchen und das Vertrauen untereinander stärken, um ihre Verletzlichkeit zu verringern. Es geht darum, sich in schwierigen Situationen besser selbst zu behaupten, Gewaltstrukturen früh zu erkennen und physische oder psychische Gewalt nicht als normal zu akzeptieren.
Gerade im „Schönheitskurs“ sind viele Mädchen und sehr junge Frauen. Daher waren diesmal Workshops rund um das Thema Jugend und Liebe, Ursachen und Folgen (ungewollter) Teenagerschwangerschaften, Verhütungsmittel sowie Geschlechtskrankheiten/AIDS-Prävention ein Schwerpunkt.
Kostenlose Beratungsangebote:
• Rechtsberatung und anwaltliche Vertretung von Frauen bei Gerichtsprozessen
Frauen und Mädchen, die Opfer von Missbrauch oder Gewalt wurden oder Mütter, die Unterhaltszahlungen erstreiten müssen, finden bei Rechtsanwältin Kenia Ubilla Beratung und Unterstützung
• Gynäkologische Sprechstunde
Untersuchungen und Beratungen bei Frauenärztin Dr. Ríos
• Psychologische Beratung und Therapie
Für Frauen, Mädchen und (meist kleinere) Jungen
Im Januar gab es einen Personalwechsel, da Alicia, die bisherige Psychologin, gekündigt hatte. An ihre Stelle ist Iris Marguerita Munguía getreten. Sie ist 22 Jahre alt und hat nach ihrem Psychologiestudium an der Universität von León ein Praktikum in einem Zentrum für psychosoziale Betreuung gemacht sowie an einer Schule als Schulpsychologin gearbeitet.
Sie hat sich entschieden, im Frauenzentrum zu arbeiten, weil sie dort Frauen, die unter psychischen Problemen leiden, helfen kann.
Angststörungen und Depressionen seien momentan weit verbreitet, berichtet sie. Es sei wichtig, betroffene Frauen aufzufangen und ihnen Hilfsangebote zu machen. Das Frauenzentrum biete dafür einen guten Rahmen, da Vertrauen, Empathie und respektvoller Umgang hier selbstverständlich seien.
Auch dass es neben den individuellen Therapieangeboten die Workshops zu Frauenthemen gibt, findet sie gut, da sie Frauen und Mädchen dabei unterstützen, ihre Stimme zu erheben und ihre Rechte einzufordern.
Ein Fall, der sie im ersten Halbjahr sehr beschäftigt hat, war der Missbrauch an einem vierjährigen Mädchen durch einen entfernten Verwandten. Der Mutter waren Verhaltensänderungen an ihrer Tochter aufgefallen, so dass sie sich ans Frauenzentrum wandte. Das Kind war verstört und eingeschüchtert, und Iris Munguía setzte verschiedene Therapietechniken ein, um allmählich ihr Vertrauen zu gewinnen. So konnte sie erreichen, dass die Kleine durch Zeichnungen und Spiele ihre Gefühle ausdrücken konnte und sie sich ein Bild von dem Geschehenen machen konnte. Auch die Mutter wurde einbezogen, um sie dabei zu unterstützen, für ihre Tochter einen geschützten Rahmen zu schaffen, ihr Vertrauen und Stabilität zu vermitteln. Inzwischen besucht das Kind wieder die Vorschule, spielt und interagiert mit den anderen Kindern. Die Mitarbeiterinnen und Besucherinnen des Frauenzentrums, die Kursteilnehmerinnen und die Frauen, die vom Kreditprogramm profitiert haben, bedanken sich bei allen Spendern und Spenderinnen und natürlich auch beim „Verein Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf“ dafür, dass sie helfen, diese wichtige Institution aufrecht zu erhalten. se
1) Die Renovierungsarbeiten und der Kauf von Laptop und Beamer wurde mit Mitteln des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf“ ermöglicht.
Spenden für dieses Projekt unter dem Stichwort: Frauenzentrum
Für die Finanzierung der verschiedenen Projekte sind wir auf ihre Unterstützung angewiesen.
Bankverbindung:
Nicaragua-Forum Heidelberg | IBAN-Nummer: DE02 6725 0020 0001 5177 32
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