Die EU lässt die Maske fallen

Ein Kommentar zu den Forderungen der EU (vergl. Meldungen vom von 09-03-10) von Rudi Kurz - Nicaragua-Forum


Die Forderung der EU nach einem breiten Marktzugang für landwirtschaftliche Produkte, Industriewaren und Dienstleistungen zeigt, worum es den Europäern eigentlich die ganze Zeit ging. Alles Gerede von Partnerschaft, guter Regierungsführung und Entwicklungsförderung war das Vorspiel. Tatsächlich sind Absatzmärkte gefragt. Bei der eigentlich letzten Gesprächsrunde lässt die EU die Katze aus dem Sack und spielt mit ihrer Forderung die nur schwach organisierten Kleinproduzenten gegen die zur Interessensvertretung fähigen Großproduzenten in Mittelamerika aus.

Der in Mittelamerika hauptsächlich von kleinen und mittleren Produzenten bediente Markt von Milchprodukten und Schweinefleich soll geopfert werden, dafür wird den US-Bananenkonzernen und den großen Zuckerbetrieben aus Mittelamerika in Aussicht gestellt, dass sie mehr von ihren Produkten in der EU vermarkten dürfen.

Nachdem die EU schon wesentlich dazu beigetragen hat, die auf irreguläre Weise an die Macht gekommenen Putschisten-Nachfolger in Honduras international wieder hoffähig zu machen, wendet sie sich nun gegen die Interessen der kleinen und mittleren Produzenten in Mittelamerika. Keiner der vor allem für den lokalen Markt produzierenden mittelamerikanischen Kleinbauern wird dazu in der Lage sein, mit der hoch subventionierten EU-Landwirtschaft zu konkurrieren. Die Folgen eines solchen Marktdurchdringung wären absehbar: Kleinbäuerliche Betriebe, die einen wesentlichen Beitrag für die Ernährungssicherung in Mittelamerika leisten, verlieren ihre Existenzgrundlage, statt dem versprochenen Wohlstand werden Abhängigkeit, Hunger und Armut wachsen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Regierungen aus Zentralamerika im Interesse ihrer Bevölkerung nicht auf dieses Zerstörungsprogramm für die lokale Wirtschaft einlassen.

14-03-2010