Immer wieder das Gleiche...

Nicaragua-Berichte vor den Wahlen

Immer wenn bei Wahlen in Nicaragua ein Sieg der Sandinisten nicht mehr ganz unmöglich erscheint, tauchen in den nicaraguanischen Medien und auch in vielen anderen Ländern sonderbare Berichte und Artikel über die Situation im Land auf. Ein Beispiel für eine solche Berichterstattung ist der Artikel über Gaddafis Neffen (El Nuevo Diario, 25. Apr), der angeblich als Ortegas wichtigster Berater einen zentralen Einfluss auf die Politik in Nicaragua ausüben würde. Was täten die Medien ohne solche allseits greifbare Schurken-Abziehbilder, die jegliche Wahrheitssuche erübrigen?

Aber solche Stilblüten gedeihen nicht nur im fernen Nicaragua, auch die ILA 344 vom April 2011 versucht sich unter dem Titel „Der Anfang vom Ende der Demokratie?“ an einer Einschätzung dessen, was bei den Wahlen in Nicaragua alles auf dem Spiel steht. Im jugendlich-überheblichen Stil wird in diesem Artikel nicht nur das ganze Spektrum der nicaraguanischen Parteien niedergemacht und allüberall werden nur „Machenschaften“ aufgedeckt, mit denen angeblich Ortega und die Sandinisten die Demokratie aushebeln und sich die Macht sichern wollen. Auch hier taucht die Gleichsetzung des aktuell führenden Medienoberschurken Gaddafi mit Ortega auf, erweitert noch um den früheren Lokalschurken Somoza.

Typisch für solche Artikel wie in der ILA 344 ist es, dass sie anscheinend für alzheimergeplagte Stimmungswesen gedacht sind. Ohne einen Gedanken an bestehende oder frühere Interessen und Machtverhältnisse zu verschwenden, wird aus einzelnen Stimmen ein Gesamtbild zusammengefügt, das den Bedürfnissen der Autoren entspricht. Für solche Stimmungsartikel sind empirische Fragestellungen weder gewünscht noch notwendig, Realitätsbezüge unnötig und wenn vorhanden, dann eher zufällig.

Ein weniger überheblicher, dafür aber an den politischen Gegebenheiten und Kräften im Land entlang geschriebener Artikel zu Nicaragua vor den Wahlen von Karla Jacobs (23. März 2011) , veröffentlicht unter dem Titel „Nicaragua's political panorama going into November's presidential campaign“ findet sich unter http://tortillaconsal.com/november_elections.html

Und wer sich für die Frage interessiert, warum immer wieder NGO-Vertreter als die großen Gegner der Sandinisten zitiert werden, dem sei noch einmal der Artikel „Wie können wir heute solidarisch sein?“ von Rudi Kurz aus: Der „neue Sandinismus“ in Nicaragua: Autoritärer Selbstbedienungsstaat oder neues Entwicklungsmodell? - Ivo Schnipkoweit, Timm Schützhofer (Hg.) empfohlen.